Mittwoch, 13. August 2008

Lesefrüchte: Sylvia Boorstein: Budda oder die Lust am Alltäglichen

Die letzten beiden Tage habe ich in diesem Buch gelesen und bin berührt ob der Klarheit und Ehrlichkeit der Autorin, die Meditation unterrichtet und gleichzeitig Mensch geblieben ist, mit ihren Ängsten und Unvollkommenheiten. 
Ich mag ihre Geschichten, wie sie die zeitlosen Lehren Buddhas mit Erlebnisse verknüpft und so über Begegnungen und Geschichten lehrt und so den Verstand und gleichzeitig den Geist füttert. 
Ich selbst werde leicht moralin, wenn ich versuche weise zu sein. Mein innerer Pastor schwingt sich auf und genießt die eigene Erhabenheit und das Ausgewähltsein, mag die besonderen Zustände des Einsseins und vereinzelte Glücksmomente, die aus dem Alltag hervorstechen.
Sylvia Boorstein ist verbunden mit dem Leben, Mutter von vier oder fünf Kindern, Ehefrau und Meditationslehrerin. Ich mag die kurzen Geschichten über einfache Männer und Frauen, die den Buddhageist in sich haben, ohne jemals meditiert zu haben, einfach so.
Wie die Geschichte von dem Gemüseverkäufer auf dem Lande, der hinten in seiner Garage Zucchini und Kartoffeln verkauft, dort sitzt und nichts tut, nicht denkt, noch wartet. Er sitzt und wenn sich ein Nachbar zu ihm verirrt, dann wird er lebendig und verkauft, spricht, agiert. Danach wieder Stille und Weite. Ohne darüber zu reden oder es als außergewöhnlich zu feiern. 
Vielleicht ist es nur Projektion und der Mann denkt eh die ganze Zeit über den Alltag nach, egal, wurscht, es ist eine von den vielen schönen Geschichten, die ich in dem Büchlein genossen habe. 

„Im Vinaya-Pitaka, einer Sammlung von Mönchsregeln, die Teil der buddhistischen heiligen Schriften ist, lehrte Buddha folgenden Richtlinien für den Ausdruck von Ärger. Er sagte:
Bevor man einem andere einen Rat gibt, sollte man dies bedenken…
Zur richtigen Zeit will ich sprechen, nicht zu unpassender Zeit.
In Wahrheit will ich sprechen, nicht in Falschheit.
Zu seinem (ihrem) Wohl will ich sprechen, nicht zu seinem (ihrem) Nachteil.
Sanft will ich sprechen, nicht barsch.
In Güte will ich sprechen, nicht in Ärger.“
(S. 104)

Ratschläge sind eh verpönt in GFK-Kreisen. „Rat-Schläge sind auch nur Schläge!“ Und ich selbst habe ne gute Liste von Kommunikationssperren ala Thomas Gordon, die wie Sand im Getriebe sind und den Fluss des Miteinanders stören.
Hier geht es ums Reden, das achtsame Reden und in einem vorherigen Blog wurde mal darauf Bezug genommen, wie schwer das ist und manchmal wie ungewohnt. 

In meiner Beziehung merke ich das, wie leicht ein Wolf, ein unachtsam ausgesprochener Wolf einen weiteren Wecken kann oder eine Wunde trifft, die dann wieder auf mich zurückschlägt. Worte können so leicht verletzen und mein Drang, sofort alles auszusprechen ohne Rücksichtnahme und in dem Wunsch nach Ehrlichkeit und Echtheit, ist oft einseitig und wenig liebevoll. 
Mir taugt diese Richtlinie und erinnert mich auch an die Drei Siebe des Sokrates, die ich von einer befreundeten Trainerin bekommen habe:

Die drei Siebe des Sokrates
Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und war voller Aufregung. „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund...“
„Halt ein!“, unterbrach ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“- „Drei Siebe?“, fragte der andere voller Verwunderung. – „Ja, guter Freund, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. 
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es erzählen und ...“ – „So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft! Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?“ – Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil.“ „Hm, hm!“, unterbrach der Weise, „so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden, und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt!“ „Notwendig nun gerade nicht...“ – „ Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“ 
(aus: „Den Menschen heute das Evangelium bringen“, S.21, Pastoralamt der Erzdiözese Wien) 

Und was hat das alles mit der GFK zu tun?
Eine Frage, die mein innerer Wolf stellt, der meint eine geneigte Leserin könnte den gleichen Gedanken haben.
Wurscht! ;-)
Es sind Geschichten, die mich berühren, Gedanken, die mich derzeit ausmachen und deshalb schreibe ich sie auf. 
Für mich steckt in Ihren Weisheit und vieles davon entspricht für mich der Grundhaltung der GFK jenseits der Vier-Schritte. 

Und ich mag Geschichten, habe noch eine, die ich von einer Lehrerin bekommen habe, die ein Einführungsseminar bei mir besucht hatte:

In den Sand geschrieben
Es ist die Geschichte von zwei Freunden, die in der Wüste wanderten. Irgendwann haben Sie gestritten und einer hat dem anderen eine Ohrfeige gegeben. Dies tat dem anderen weh, er sagte jedoch nichts. Er schrieb nur in den Sand: „Heute hat mir mein bester Freund eine Ohrfeige gegeben".  
Sie liefen weiter bis zu einer Oase, wo Sie badeten. Derjenige, der die Ohrfeige bekommen hatte, wäre ertrunken, wenn sein Freund ihn nicht gerettet hätte. Als er sich erhohlt hatte, schrieb er auf einen Stein: "Heute hat mir mein bester Freund das Leben gerettet"
Derjenige, der die Ohrfreige gegeben und das Leben seines Freundes gerettet hatte, fragte ihn: "Als ich Dich verletzt habe, hast Du in den Sand geschrieben und jetzt hast Du auf den Stein geschrieben. Warum?" 
Sein Freund antwortete: "Wenn jemand uns verletzt, müssen wir in den Sand schreiben, wo die Winde der Vergebung es tilgen können. Jedoch wenn Jemand etwas Gutes für uns tut, müssen wir es in den Stein einprägen kein Wind es radieren kann". 
Lerne Deine Verletzungen in den Sand zu schreiben und Deine Befriedigungen in den Stein zu prägen! 

Beim www.nvcsummerfestival.com durfte ich in einer Sternstunde erleben, wie Leo Sofer eine Geschichte intuitiv erzählt hat, einfach seinen Eingebungen und Bildern folgend aus dem vorherigen Gespräch mit der Handvoll Zuhörern. 
Die Geschichte entfaltete sich von alleine und war so magisch, schön, einmalig, dass ich diese Momente im Tippi gerne festgehalten hätte und mich freudig daran erinnere. 
„What do you really want!“ war ein Leitgedanke der sich in drei ineinaner verschachtelte Geschichten ausbreitete und mir selbst höchstes Vergnügen bereitete und mir mehr Klarheit für meinen eigenen Weg gab. 
Es schien mir fast, als sei die Geschichte nur für mich erzählt, ging es doch darum, dem König (dem Politiker) in seinem Menschsein zu unterstützen, ein Traum von mir.
Wer von Euch ein paar Geschichten anhören möchte gehe auf http://www.luminaia.com/stories/latest/ 
Das Summerfestival 2009 wird in Schweden stattfinden, mehr Infos findest du auf www.nvcsummerfestival2009.com 

Genug für heute. 
Bin wieder abgeschweift von dem Buddhistischen Buch hin zu Geschichten, die mehr erzählen als die paar Worte, die ich selbst verzapfe.

Glück auf

Sonntag, 8. Juni 2008

As time goes by

Auch in diesen Monaten ist wieder viel im wirklichen Leben passiert, so dass ich das virtuelle etwas vernachlässigt habe.
Wieder das gleiche Thema: „Viel Arbeiten und viel lieben!“
Aus der guten Freundin ist „meine“ Freundin geworden („mein“ im Sinne von Zugehörigkeit, aufeinander bezogen sein) und wir haben sehr intensiv die letzten Monate gelebt, mit viel Freude und auch mit etwas Leid, wie es eben dazugehört.
„Ich mag dich leiden!“ = „Ich mag an Dir leiden, mit Dir leiden!“
Ich mag diese Erklärung sehr, auch wenn es dann im Extemfalle doch etwas anders ausschaut und nicht so leicht er-trag-bar ist ;-)
Ich bin total dankbar jetzt mit S. zusammen zu sein. Nach fast sieben Jahren des Einsiedlerdaseins und den paar Geschichten dazwischen habe ich eine Partnerin gefunden, die super zu mir passt und mit der ich gerne alt werden möchte. Danke S. (sie liest mit ;-)).
So, achja, so eine Beziehung ist eine wunderbare Form der Selbsterkenntnis und Wachstumsmöglichkeit. Hätte nicht gedacht, dass ich noch sooooo viele innere Wölfe habe und gerade in nahen Beziehungen ist es schwer, den inneren Abstand zu wahren und dennoch verbunden zu bleiben. Echt spannend, erfüllend und erweiternd.

Vor drei Tagen habe ich mir noch mal den Film „Love actually“ angeschaut. Nicht den Film, sondern die Schlusssequenzen. Wollte ne Brücke schlagen zu meinem letzten Blog-Eintrag und jetzt ist sie nicht mehr da…
Dafür habe ich im Netz zwei schöne Szenen aus dem Film gefunden:
Einmal ein wunderschöner Heiratsantrag http://uk.youtube.com/watch?v=9JCrqu3Sz7k&feature=related
Und dann die Schlußsequenz: http://uk.youtube.com/watch?v=Zbe1BjCVCeY (etwas schlechte Qualität)
Selbst nach dem zehnten Mal anschauen ist immer noch etwas von dem Berührtsein da…

Wo wir schon bei Filmen sind, so der Filmausschnitt zu dem Titel des heutigen Blog http://www.youtube.com/watch?v=Wo2Lof_5dy4
Auch diesen Film liebe ich, deshalb gibt es gleich noch eine Szene als wunderbares Beispiel von Zivilcourage: http://www.youtube.com/watch?v=_iYbEPZVVIA

Und in dem Anflug der Begeisterung möchte ich noch drei Filmesequenzen mit Euch teilen. Einmal das melancholischte Lied, das ich kenne: http://de.youtube.com/watch?v=1ejjyJEjTOc,
dann http://de.youtube.com/watch?v=PiDnp4ms5Z8
und den auch noch: http://de.youtube.com/watch?v=c5iDz8Ul_AQ&feature=related


Was hat das alles mit GFK zu tun??
Hausaufgabe fürs nächste Mal ;-).

(Für die Links und deren Inhalt übernehme ich natürlich keine Haftung).

Mittwoch, 27. Februar 2008

Alles Liebe

Ich geb zu, ich war etwas faul in den letzten beiden Monaten. Also faul im Blog-Schreiben, fleissig im Arbeiten. Habe einige Seminare gegeben und besucht, bin mehr und mehr im Soziokratischen Zentrum Deutschland (www.soziokratie.org) involviert und habe zudem noch eine Frau kennengelernt, die eine gute Freundin geworden ist (leider nicht mehr). Also das wirkliche Leben war voll und da dann wenig Zeit für die virtuelle Version.
Vieles von dem nächsten Blogeintrag habe ich Mitte - Ende Jänner geschrieben, das EFT-Seminar ist also längst vorbei.

Das ist alles Liebe

Es gab auf Youtube ein kurzes Video von 2of6 Soultime, in dem ein Afroamerikaner kurz die GFK erklärt mit dem immer wiederkehrenden Satz: NVC is all about love.
Ich kann es leider nicht so fein ausdrücken, wie der brother in dem Video, habe nur daran gedacht, als ich mir gerade zum dritten Mal die letzten 30 Minuten von Love actually angeschaut habe.
Es endet, wie es begonnen hat mit Szenen am Flughafen, Menschen umarmen sich und Du kannst die Liebe spüren.
Vorher gibt es eine Szene, wo die Freundin des Prime Ministers ihn begrüßt. Sie schubst die Sicherheitsleute vor ihr weg und springt auf ihn drauf, die Beine hinter seinem Hinter verschränkt, absolut inappropriate. Und schaut ihn himmelnd an oder liebevoll.
Und es ist sooo fein, so was mal erlebt zu haben, die Erinnerung abzurufen, wie E. in der Gebetsgruppe (ja damals war ich auf dem christlichen Pfad) mir vor versammelter Mannschaft erzählt, wie gern sie mich hat und dann durch Raum geht und mich umarmt.
So was nur erlebt zu haben, macht das Leben lebenswert.
Und schön ist auch, dass ich nicht mehr an sie denke, bei solchen Liebesfilmen, das tut auch gut, da frei zu sein, ohne die Erinnerungen zu vergessen oder zu verlieren.

Gerhard Schöne sing ein schönes (hihi) Lied: „Das ist alles Liebe, schenk mir noch ein kleines Stückchen, parlez moi d`armour, ich bin von Kopf bis, all you need is love my baby, meistens dreht es sich, ein Leben lang um Dich!“
http://www.amazon.de/gp/music/clipserve/B00000G678001015/1/ref=mu_sam_ra001_015

Und das ist es, manchmal scheint es durch und du kriegst so einen Hauch von dieser Ewigkeit mit: Alles ist Liebe oder Hinter allem steckt die Liebe, der gute Wille, das schenkende Herz, die Freude über das Dasein, die Akzeptanz dessen, was ist…
Wort sind zu schal, um das auszudrücken, erscheinen mir zumindest so…
Und jeder hat solche Moment doch schon mal erlebt, oder??

Und der Kritikerwolf (den ich jetzt in mein Herz einschließe, was nicht immer gelingt ;-) ) meldet sich zu Wort und sagt: „Aber Giraffen kennen doch nur das Bedürfnis nach Liebe, nicht Liebe als diese schöne Gefühl!“
???: „Bullshit Wölfchen, es gibt beides und beides ist letztendlich eins. Danke für Deine gequirlte Weisheit und lass mal gut sein und uns nur den Moment genießen. Is nich so wichtig!“

So sei es, Namaste.

Nachtrag ein paar Tage später:
Leider war dieser Zustand nur vorübergehend :-( Oder besser gesagt/ geschrieben, erwartungsgemäß ;-) . Und dennoch gibt es seit einigen Jahren bei mir eine kontinuierliche Entwicklung hin zu mehr Zufriedenheit und Gelassenheit sogar Glück manchmal. Und das hat für mich sehr stark mit dem Wachsen in GFK zu tun und ist etwas, was jenseits der Technik und klaren logischen Validation liegt.
Es ist nicht nur die GFK, sondern auch – zumindest in den letzten Wochen – EFT und das neue Familienstellen nach Hellinger.
Erst am letzten Wochenende habe ich einen Level 2 Kurs von EFT besucht und klopfe mehrmals am Tag die Dinge, die hochkommen und mich etwas aus dem Grundtonus der Zufriedenheit/ Gelassenheit bringen. Es ist für mich eine schnellere Form von Selbstempathie und ich bin total dankbar, diesen Ansatz kennengelernt zu haben.
Und beim Familienstellen merke ich immer wieder, wie viele Themen ihre Wurzeln in der Familie bzw. in dem Kontakt mit den Eltern und dem Annehmen haben. Das ist so eine core-issue oder das bulls-eye oder des Pudels Kern. Das braucht Zeit und es tut gut, da zu wachsen.
Persönliche Entwicklung läuft nicht geradlinig und wenn ich sehe, wie viel Menschen mich auf meinem Weg direkt oder indirekt durch Bücher/ Videos etc. begleitet haben, dann kann ich nur vor Ehrfurcht mich verbeugen vor der Gemeinschaft der Seelen und verstehe so dieses Prinzip der Interdependenz viel besser.
Und wie leicht ist es ein Leben zu nehmen und zu zerstören…
Mehr Infos über die beiden Ansätze findest Du auf meiner Homepage unter http://www.gfk-training.com/links-themen.htm

Mittwoch, 30. Januar 2008

Es gibt nur Giraffen – Wölfe sind Giraffen mit Sprachproblemen

Mir fällt immer wieder auf, dass Newbies Sätze wie „Das war jetzt aber wölfisch! Mein Mann ist der totale Wolf…!“ sagen. Und da stellst sich ja der "normale" Mensch die Frage, ob das jetzt noch GFK ist oder schon nimma? Redet so eine Giraffe oder sind die Worte nicht eindeutig verletztend?“
Ich mag gerne am Anfang meiner Seminare die beiden Bilder und Kollegen von Wolf und Giraffe einführen. Einfach, weil sie so herzig sind, ich gerne mit den Puppen spiele und sie gut gegenüberstellen. Einmal das traditionelle Konfliktverhalten/ Bewusstsein und dann die Form der Miteinanders, die ich mir wünsche und die meiner Ansicht nach natürlich für uns Menschen ist.
Also so begrüße ich Euch zu meinem Seminar und möchte gleich meine beiden Freunde vorstellen: Wolf und Giraffe. Und das sind nicht nur Freunde von mir, sondern Teile. Ich muss es jetzt schon zugeben: ich bin schizophren. Nein ich bin eine multiple Persönlichkeit, ich habe viele verschiedene Teile in mir, wie das innere Kind, den Clown, den inneren Kritiker, den Perfektionisten, den Idealisten und und und.
Und je nachdem, welche Färbung sie haben, sind sie entweder Wolf oder Giraffe.

Was macht den Unterschied zwischen den beiden aus?


„Diese beiden Typen sind Teile von uns, verschiedene Bewusstseinszustände, Alternativen im Miteinander. Manchmal bin ich eher wölfisch und es ist vielleicht auch angebrachter so zu sein und ofter, so ich hoffe, bin ich giraffisch, einfühlsam, verbunden mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen.
In der GFK geht es nicht darum, den Wolf zu töten oder wegzudrücken oder zu überwinden. Er ist ein Teil von uns/ mir und gehört dazu.
Für mich geht es darum, flexibel, bewusst zu sein und frei wählen zu können: Was ist in der jetzigen Situation sinnvoll, angemessen und stimmig?“
Und zum Schluss sage ich:
„Auch wenn ich jetzt beschrieben haben, was so die Unterschiede zwischen Wolf und Giraffe sind, gibt es eigentlich keinen.
In jedem Wolf steckt eine … (jetzt ziehe ich die Wolfpuppe von meiner Hand und es ist eine kleine Giraffe dadrunter) Giraffe. Wölfe sind nur Giraffen mit einem Sprachproblem.
Und es geht weiter. Es gibt nur Giraffen.
Jedesmal, wenn Du einen Wolf siehst, kannst Du sicher sein, selbst ein Wolf zu sein, denn Wölfe sehen eher nur Wölfe und Giraffen sehen nur Giraffen.
Auf der dualen Ebene gibt es Wolf und Giraffe, auf der unalen (nicht analen ;-) Ebene gibt es nur Giraffen. „In dem Land jenseits von Gut und Böse, da treffen wir uns!“ (frei nach Rumi) oder ähnlich ausgedrückt: „Jenseits von gut und böse ist die Güte!“
Das sind jetzt nur Worte und doch hoffe ich, etwas von den Gedanken und der Sichtweise dahinter vermitteln zu können. Und es ist ein Lernprozess oder ein Erinnerungsprozess, wieder dahin zurückzukommen, wie wir als Kinder die Welt gesehen haben. So wie die kleinen Babys/ Kleinkinder dich mit großen vorurteilsfreien Augen anschauen, einfach anschauen und Du Ihnen alles sagen kannst, so ein Raum von Akzeptanz, Liebe, So-sein geöffnet wird.
Ja, der Idealist in mir schreibt und das darf auch sein! ;-)

Sonntag, 30. Dezember 2007

spielerischer Ernst und deutliche Befehle

Ich war über die Feiertage bei meiner Schwester und meinem Schwager in Deutschland.
Und es gibt hier auch zwei Kinder F und D, acht und sechs Jahre alt und ich spreche da alles andere als GFK. Ich lebe sicherlich die Haltung und Grundwertschätzung, deshalb lieben mich die beiden Racker ja auch, aber von den Worten her, gibt es viele Befehle, deutliche Neins und hin und wieder gespielten Ernst.

D: „Mir ist langweilig!“
Ich: „Lass mich in Ruhe, ich möchte hier arbeiten. Raus!“ (etwas gespielter Ernst, liebevolle Haltung)
ODER
F: „Komm zeig uns noch mal deine Lieblingsseite auf dem Computer!“ (Hatte ihnen vorgestern auf Youtube einige Highlights aus der jungesten BVB-Geschichte gezeigt – bin Fan von Borussia Dortmund und die beiden lieben auch den Verein)
Ich: „Nein, mag jetzt nicht, vielleicht später. Du darfst gehen.“
ODER
Der Kleine boxt mir in den Unterbauch und ich schlage reflexartig mit der Faust in seinen Bauch. Nicht ein Klitschko-Punch ;-) sondern ein abgebremster deutlicher Stupser in die Richtung, spürbar, aber nicht wehtuend und sage mit deutlichem Ernst (böse Augen): „So nicht!“
Der Kleine ist etwas geschockt und spürt, dass er da ne Grenze überschritten hat.
Am nächsten Morgen war alles wieder OK.

Vom GFK-Standpunkt aus, also der GFK-Lehrer in mir sagt, dass ich am nächsten Morgen doch noch mal mit ihm darüber hätte sprechen können. Schützender Einsatz von Macht ist ja OK, aber dazu gehört auch das Gespräch danach.
* innerer Kritiker: „Ach hör doch auf mit dem Schmarrn. Mit einem sechsjährigen ein großes Feedbackgespräch zu führen, hat doch keinen Sinn. Und am nächsten Tag wollte er ja fast schon wieder in diese Richtung schlagen und hat selbst abgebremst, es etwas berührt und er hat dann gemerkt, dass es bei mir nicht passt. Ich habe noch mal ernst geschaut und dann haben wir mit anderen Sachen weitergemacht. Er hat es gelernt und die Beziehung ist intakt, warum sollen wir noch darüber GFK-mäßig reden. So ein Blödsinn!“
Manchmal kann ich meinen inneren Kritiker gut verstehen ;-)
Und schlawinerhaft kann ich sagen: „Ich spreche mit den Kindern halt umgangssprachlich Giraffisch (street giraffe).“
Und das stimmt ja auch, im gewissen Sinn, obwohl, na ja, der achtsame Buddhist in mir ist eher traurig und wünscht wirklich mehr Einklang mit Standard Giraffisch. Mal schauen.

Ein paar Stunden später
Habe gerade mit D gesprochen, der mir da halb in die Eier geschlagen hat.
Ich: „Wie war das für dich, als ich dich auch leicht geboxt habe?“
D: „Es tat etwas weh!“
Ich: „Was hätte ich denn anders tun können?“
D: „Es sagen, dass ich aufhören soll. Nicht hauen.“
Ich: „Mir hat es auch weh getan, als Du mir in die Eier geboxt hast, dir hat es etwas weh getan, als ich Dir in den Magen geboxt habe. Dann sind wir ja jetzt pari und es war doch gerecht, oder?“ (Suggestivfrage, na so was ;-))
D: „Ja.“
Wir geben einander die Hand.

Samstag, 29. Dezember 2007

GFK-Trainer sind auch nur Menschen

Aus den bisherigen Beispielen wird deutlich, dass ich – und ich sehe das auch bei vielen Kollegen – auch nur ein Mensch bin und nicht andauernd in den vier Schritten rede.
Ich mag im Moment sehr ein sechs Ebenen-Modell, das mir hilft, bewusster zu sein und darauf zu achten, in welcher Ebene ich mich befinde. Davon ausgehend ist es für mich leichter zu den „reinen“ vier Schritten zu kommen und so leichter die Worte in Giraffensprache zu übersetzen bzw. ins Giraffenland zu gehen.

6-Ebenen-Modell

Und natürlich sage ich immer wieder: „Ich fühle mich nicht verstanden!“ was in Standard Giraffisch übersetzt heißt: „Ich bin genervt, weil ich verstanden werden möchte. Lass es mich noch mal sagen und bitte gib wieder, was bei dir angekommen ist!“ (einer der schwierigsten Sätze im Alltag für mich, den ich mich eher selten traue zu sagen).
Ja, ich möchte die GFK leben und gleichzeitig ist mir Bequemlichkeit wichtig, möchte so reden wir mein Schnabel gewachsen ist und Leichtigkeit. Dieses Standard-Giraffisch verlangt etwas Mühe und Aufmerksamkeit und oftmals mag ich es nicht so.
Gleichzeitig ist mir Kongruenz wichtig, ich möchte das leben, was ich lehre und wie kann ich Seminarteilnehmern etwas beibringen, was ich selbst nicht so lebe??
GFK ist mehr als die Worte. Es ist die Grundhaltung, die sich für mich in den Worten Echtheit, Empathie und Akzeptanz ausdrückt. Und es ist ein immerwährender Versuch, ein Ideal, das manchmal unerreichbar scheint und mir dennoch eine Richtung gibt. Ich mag das Bild des Sterns von Bethlehem (oder weniger religiös ausgedrückt des Polarsterns). Die GFK ist wie dieser Polarstern, der in der Nacht den Seefahrern einen Orientierungspunkt gibt, wonach sie ihren Kurs bestimmen können. Er ist weit weg, nicht anfassbar oder erreichbar, zumindest mit unseren derzeitigen technischen Möglichkeiten nicht und vielleicht ist er auch schon erloschen und wir sehen nur das Licht auf seiner Reise zu uns, aber dennoch hilft er, einen Weg zu finden, genau wie die GFK ein Weg ist in eine bestimmte Richtung, mit einer bestimmten Intention.

Bilder zur GFK


Donnerstag, 27. Dezember 2007

GFK und Echtheit

Achtsames Sprechen ist – soweit ich es weiß – ein Grundsatz im Buddhismus. Sorgsamer Umgang der Worte, liebevoller Ausdruck, ein Nicht-Verletzen-Wollen.
Da gibt es ne gewisse Parallele zur GFK.
Wenn ich an die Situation Weihnachten mit A denke, hätte ich auch sagen können
(statt: „Na A., haste nicht gewusst, dass es bei Oma das gleiche gab? Hättest dir ja was Neues ausdenken können!“ :-))
„Du A. ich spüre gerade eine Wärme in mir und hätte die Lust mit dir zu spielen, liebevoll zu käbbeln, würde gerne einen Weg finden, das echt auszudrücken, so dass ich verstanden werde. Und mir ist Wertschätzung wichtig, ich möchte Danke sagen für das leckere Essen und die Mühe, die du dir gemacht hast, uns hier ein schönes Ambiente zu schaffen. Die Musik, der schön gedeckte Tisch, die Zeit und Mühe für das Kochen + Vorbereiten… ja, das alles berührt mich und erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit.“
* innere Kritiker: „Klingt das komisch und etwas gestelzt. So redet doch keiner! Das bist doch nicht Du, sondern nur der GFK-Trainer in dir, die Giraffe“.
* Giraffe: „Du bist unzufrieden, weil Dir Echtheit wichtig ist und Akzeptanz? Viel vertrauter und natürlicher erscheint dir das, was Du wirklich gesagt hast und das andere klingt so unnatürlich?“
* innerer Kritiker: „Genau, das ist nicht echt, sondern aufgesetzt. Danke, du hast mich verstanden!“
Und ich kenne die GFK schon seit sechs Jahren und habe in vielen Bereichen meine alten Sprachmuster, die nach außen alles andere als Giraffisch klingen.
Muss ich sie ändern? Achtsamer Sprechen und wie ein GFK-Roboter klingen?
In meinen ersten Jahren habe ich – zumindest auf GFK-Treffen – sehr strikt nach den Vier-Schritten gesprochen und bekam von einem jetzigen Trainerkollegen folgende Rückmeldung: „Du hast bei unserem letzten Treffen so mechanisch gesprochen und das war mir unangenehm. Jetzt sprichst du so halbwegs normal und das wollte ich dir nur mal sagen!“
Ein Dilemma oder normaler Weg des Lernens??

mein innerer Lehrer malt ein Schaubild auf die innere Flipchart (Bild einer Lernkurve)

Dieses Schema ist eine vereinfachte Darstellung unseres Lernprozesses und kann etwas erleichtern und Orientierung geben. Ich erläutere es am Beispiel des Autofahrens:
Zuerst sind wir inkompetent und uns dessen unbewusst. Bis wir auf die Idee kommen, einen Führerschein zu machen, können wir weder Auto fahren noch sind uns dieses Unvermögens bewusst. Einfach weil wir es nicht brauchen oder es nicht in unser Bewusstsein kommt.
Dann mit dem Nahen des 18. Geburtstages beginnen die ersten Fahrstunden. Und mir ging es beim ersten Mal so, dass ich völlig überfordert war: Lenken, Schalten, auf den Straßenverkehr achten, die drei Pedale auseinander halten. Der Fahrlehrer sagte: "Lenk nur und achte auf den Verkehr, den Rest mache ich."
Wie schwierig das doch ist – auch das Einparken oder Anfahren am Berg… Ich bin bewusst inkompetent und mit jeder Fahrstunden werden ich bewusst kompetenter. Ich achte noch bewusst auf das Schalten, die einzelnen Verkehrszeichen, weiß, wo ich beim Rückwärtseinparken einschlagen muss…
Mit der Zeit geschehen viele Dinge automatisch (meistens nach bestandener Fahrprüfung). Jetzt kann ich Autobahnfahren und dabei Musik hören, es geschieht leicht und vertraut, achte nicht mehr bewusst auf das Schalten oder sonst was. Es ist Fleisch geworden, vertraut.
Genauso kann im Lernen von einer Fremdsprache geschehen oder bei der GFK.
Und die Rückmeldungen: „Das ist ja so unnatürlich!“ kommen meist bei Menschen in der Stufe 2, wo wir bewusst inkompetent sind. Es ist ein Teil des Lernprozesses und vielleicht beruhigt es die geneigte Leserin, dass auch ich immer mal wieder in Stufe 2 bin und das sage ;-).
(Lernen verläuft selten linear, sondern ist ein Weg mit Um-Wegen).

Ist damit das Dilemma gelöst?
Nicht wirklich, aber etwas besser verstanden ;-).